Kunsttherapie

Die Kunsttherapie ist eine Behandlungsform, die den ganzen Menschen erfasst, als physisches, psychisches und geistiges Wesen. Der Gestaltungsprozess umfasst Ausdruck, Be- und Verarbeitung psychischer Inhalte. Gleichzeitig ist er ein Erkenntnisprozess und eine Chance, Neues zu erkunden und zu erproben. Durch seine Handlungsorientierung, die zugleich Unbewusstes zuläßt und Hingabe verlangt, fordert er den Gestaltenden heraus, Dimensionen in sich zu entdecken, die er vielleicht längst vergessen hat und die ihm einen neuen Zugang zu sich und seinen Möglichkeiten eröffnen. Dazu gehören: Phantasie, Eigenverantwortung, Selbstwertgefühl und Selbstvertrauen, Kompetenz mit Unbekanntem (d.h. auch Krisen) umzugehen, Distanz zu den eigenen Problemen, Änderung des Blickwinkels, größere Freiheit im Umgang mit Ideen, Grenzen und Erfahrungen, Mut, Neues zu wagen, sich als seelisch-geistiges Wesen zu begreifen.

Die Künste sind der innere und äußere Raum, in dem der Mensch sich selbst erspürt und selbstreflexiv äußern kann. Wenn subjektive Freiheit noch möglich ist, dann im künstlerischen Tun. Eigene Gestaltung in Form und Farbe, in Raum und Umwelt, erweitert unsere Selbstwahrnehmung und nimmt uns in die uns umgebende Welt aktiv hinein. Unser wahres Selbst entdeckt sich im Bild, in Symbolen und Farbklängen.

Materialien können uns anregen, Archive des Innenlebens zu öffnen und zu nutzen:

Kunsttherapie ist nicht immer "nur" bildnerisch, wir nutzen unser Wissen über Symbole und nehmen Gegenstände (große, kleine, Naturmaterialien, Polsterformen, Kissen) und stellen sie als Platzhalter für Gefühle, Sätze, Erfahrungen oder Personen in einer Art Installation in den Raum oder auf selbst gestaltete Bilder. Diese "Figur" wirkt wiederum auf uns, hinterläßt einen Eindruck, auf den hin wir einen Impuls zu neuem Ausdruck verspüren. So kommt unser Innenleben in Bewegung und findet neue Lösungen für bisher unverrückbar Erschienenes. Diese Arbeit macht oft Spaß für beide Seiten und hinterläßt immer einen tiefen Eindruck durch das unmittelbar Erlebte.

 

Beim Malen wird die sinnliche Wahrnehmung verfeinert und die Selbstwahrnehmung verbessert.  Mit Methoden aus dem katatymen Bilderleben oder Imaginationsreisen zu den eigenen Krafttieren und Helferfiguren wird Ihre Symbolisierungsfähigkeit, Ihre Vorstellungskraft, Ihre Fähigkeit zu Träumen und der eigene Ausdruck gestärkt. Die verfeinerte Wahrnehmung führt zu neuem Bewusstsein über die Gefühle, vertiefende Erkenntnisprozesse führen zu neuen Bildern und neuen kreativen Lösungen. Besondere künstlerische oder handwerkliche Fähigkeiten sind nicht erforderlich. Unsagbares kann ausgedrückt werden und damit seine krankmachende Wirkung verlieren. Was in der bildnerischen Arbeit an Ausdauer, Einfühlung, Vertrauen, Einsicht, Gefühl für Kompetenz, Neugierde, Unternehmungsgeist etc. entwickelt wird, lässt sich in das Alltagsleben übertragen.

Neue Erkenntnisse sind flüchtig. Jeder weiß, wie schwer es ist, sie in den Alltag zu integrieren. Durch ein selbstgestaltetes Bild oder ein Objekt können Sie sich einen Anker schaffen, der Sie an das Neue in ihrem Leben erinnert.

Die kreativen Methoden können Sie aber auch anregen, ein fortlaufendes Therapiebuch zu gestalten, das ihr Begleiter durch die Zeit der Therapie wird. Es ist wichtig, den aktuellen Zustand über die Bewußtwerdung in der Therapie zu erfassen. Der Sprung zur Veränderung geschieht jedoch über die Anknüpfung neuer Einfälle an den Alltag.  Sie lassen eine Schlüsselszene neu betrachten und lassen die Erkenntnis des Heilungsweges deutlich werden. Die Erkenntnis kann durch Körpertherapie, Texte, Imaginationen, Malen usw. entstanden sein. Zuletzt ist das "Anders-Machen" zu besprechen und in konkreten Verhaltensweisen im Alltag zu verankern.

Kunsttherapie ist geeignet, wenn Sie

  • künstlerische Ermutigung erfahren und neue Wege gehen möchten
  • die eigenen Potentiale entdecken und entfalten wollen
  • ihre Kreativität wieder in Fluß bringen wollen
  • wenn Sie Bilder statt Worte sprechen lassen möchten